Ziele des Vorhabens

Betriebliche Informationssysteme (BIS) ermöglichen u.a. die Verwaltung der Ressourcen eines Unternehmens (ERP-Systeme), das effiziente Management der Kundenbeziehungen (CRM-Systeme) und die Unterstützung der eigentlichen Produktion bzw. Dienstleistung (PDM-Systeme), um hier nur die typischen Hauptaufgaben zu nennen. Oftmals müssen zum Aufbau betrieblicher Informationssysteme existierende und neue Teilsysteme angepasst und integriert werden. Für eine effektive und effiziente Integration müssen die betrieblichen Abläufe durch Workflow-Systeme unterstützt werden: die Dienste der Teilsysteme werden orchestriert. Enterprise Application Integration (EAI) zur Integration von Informationssystemen hat dadurch eine große Bedeutung bei der Umsetzung von Geschäftsprozessen, die in Unternehmen oder zwischen Unternehmen üblicherweise mehrere Informationssysteme betreffen - durch die so genannte Orchestrierung in Service-orientierten Architekturen (SOA). Orchestrierung in SOA zielt insbesondere darauf, die Fachwelt mit der Technologie effektiv zu verbinden. Seit der Einführung von Grid Services durch entsprechende Standards (OGSA, WSRF), die auf Web Service-Technologien basieren, ordnen sich Grid-Technologien in Service-orientierte Architekturen (SOA) ein. SOA ist auch für die EAI von zunehmender Bedeutung. Dabei haben Grid-Technologien und EAI viele Gemeinsamkeiten, weil beide Technologien Integrationsprobleme innerhalb einer heterogenen Umgebung fokussieren - Grid-Technologien auf Ressourcenebene und EAI auf Anwendungsebene.

In BIS-Grid, dem Grid für betriebliche Informationssysteme, beabsichtigen wir, sowohl auf konzeptioneller als auch auf technischer Ebene Erweiterungen für ein horizontales Service-Grid im Anwendungsbereich betrieblicher Informationssysteme zu erarbeiten. Ziel ist die Nutzung von Grid-Technologien zur Integration von dezentralen Informationssystemen. Auf konzeptioneller Ebene sollen neue Formen der Kooperation und neue Geschäftsmodelle erarbeitet werden. Auf technischer Ebene soll die WS-BPEL-basierte Orchestrierung für die zustandsbehafteten Grid Services nutzbar gemacht werden. Dabei werden wir die im kommerziellen Bereich etablierten Middleware-Systeme nicht ersetzen, sondern integrieren, um so die Interoperabilität zwischen der Grid-Technologie und der Integration betrieblicher Informationssysteme zu ermöglichen.

Das Erreichen dieser Ziele soll anhand von zwei Anwendungsszenarien mit Wirtschaftspartnern in der Praxis evaluiert werden. Die Ergebnisse dieses Projektes leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum praktischen Einsatz von Grid-Technologien im Bereich der Integration betrieblicher Informationssysteme. Um eine optimale Verwertung der Ergebnisse zu erreichen, werden Verwertungs- und Vermarktungspläne mit besonderer Berücksichtigung von KMU entworfen. KMU im IT-Dienstleistungssektor können durch das Anbieten von Grid-Providing oder Beratung zu Grid-Software eine zusätzliche Dienstleistung am Markt anbieten und dadurch ihre Position am Markt verbessern. Damit wird der Grid-Technologie in diesem Projekt ein großes neues Anwendungsfeld erschlossen.

Auf konzeptioneller Ebene sollen in BIS-Grid neue Formen der Kooperation und Geschäftsmodelle beispielsweise für Service Level Agreements erarbeitet werden. Auf technischer Ebene soll die WS-BPEL-basierte Orchestrierung für die zustandsbehafteten WSRF-Grid Services nutzbar gemacht werden. Dabei werden bestehende Middleware-Systeme wie z.B. JBoss [JBo06], die sich im kommerziellen Bereich bereits etabliert haben, integriert. Wir werden die entwickelten generischen Dienste exemplarisch für die Integration von ERP-, PDM- und CRM-Systemen evaluieren, wodurch der Kernbereich der betrieblichen Informationsverarbeitung abgedeckt wird. Insgesamt ist es unser Ziel, das Anwendungspotential für Grid-Technologien erheblich zu erweitern, um insbesondere auch KMU bei deren betrieblicher Informationsverarbeitung zu unterstützen. Die nachhaltige Umsetzung der entwickelten Dienste und Konzepte wird durch die Nutzung der in der D-Grid-Initiative des BMBF entwickelten Technologien, der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und durch die Zusammenarbeit mit anderen D-Grid-Projekten unterstützt.